Transmission — Hantavirus
Hauptübertragungsweg: aerosolisierte Nagetierausscheidungen
Der wichtigste Übertragungsweg von Hantaviren auf den Menschen ist die Inhalation aerosolisierten Nagetierurins, -kots oder -speichels. Wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt wird – etwa durch Kehren, Reinigen oder einfach durch das Betreten eines geschlossenen Raums – werden virale Partikel in die Luft freigesetzt und können tief in die Lunge eingeatmet werden.
Nagetier-Reservoirs nach Region
Verschiedene Hantavirus-Stämme werden von spezifischen Nagetier-Wirten getragen:
| Virusstamm | Primäres Reservoir | Region | Syndrom |
|---|---|---|---|
| Sin Nombre | Hirschmaus (Peromyscus maniculatus) | Nordamerika | HPS |
| New York | Weißfußmaus (P. leucopus) | Östliches Nordamerika | HPS |
| Black Creek Canal | Reisratte (Oryzomys palustris) | Südosten der USA | HPS |
| Bayou | Baumwollratte (Sigmodon hispidus) | Südosten der USA | HPS |
| Andes | Langschwänzige Zwergreisratte (Oligoryzomys longicaudatus) | Chile, Argentinien | HPS |
| Laguna Negra | Kleine Vespermaus (Calomys laucha) | Paraguay, Bolivien | HPS |
| Hantaan | Brandmaus (Apodemus agrarius) | China, Korea, Russland | HFRS |
| Puumala | Rötelmaus (Myodes glareolus) | Skandinavien, Europa | HFRS (mild) |
| Dobrava-Belgrad | Gelbhalsmaus (A. flavicollis) | Balkan, Europa | HFRS |
| Seoul | Wanderratte (Rattus norvegicus) | Weltweit | HFRS |
Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Andes-Virus
Das Andes-Virus ist das einzige Hantavirus, bei dem eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung (M2M) dokumentiert wurde. Der erste gut untersuchte M2M-Cluster trat 1996 in El Bolsón, Argentinien, auf, wo ein Patient 5 Kontaktpersonen einschließlich Ärzten infizierte, mit einer Letalitätsrate von 50 % bei den Sekundärfällen.
Fallstudie: MV-Hondius-Cluster (Mai 2026)
Im Mai 2026 zeigte ein bestätigter Ausbruch des Andes-Hantavirus-Stamms an Bord des Touristenschiffs MV Hondius in der Drakestraße eine potenzielle maritime M2M-Übertragung. Sechs bestätigte Fälle führten zu vier Todesfällen (Letalitätsrate 67 %). Die beengten Schiffsverhältnisse und die nahe Wohnsituation verstärkten die Ausbreitung. Dieses Ereignis stellt den ersten dokumentierten Hantavirus-Cluster in einem antarktisnahen maritimen Umfeld dar und unterstreicht die Bedeutung einer schnellen Isolierung und Kontaktnachverfolgung bei Verdacht auf das Andes-Virus.
Was Hantaviren NICHT überträgt
- Mücken und Zecken – Hantaviren werden nicht durch Arthropoden übertragen
- Beiläufiger Kontakt – Berühren, Umarmen oder die Nähe zu einer infizierten Person (außer enger Kontakt mit Andes-Virus)
- Haustiere – Hunde und Katzen tragen kein Hantavirus
- Nutztiere – Vieh sind keine Reservoirs
- Wasser oder Lebensmittel – Ingestion ist kein dokumentierter Übertragungsweg
Quellen
- WHO. Hantavirus diseases. WHO Technical Report Series, 2023. https://www.who.int/health-topics/hantavirus
- CDC. Hantavirus: Transmission. https://www.cdc.gov/hantavirus/transmission/
- Ferres M, et al. Person-to-person transmission of Andes virus. NEJM 2007; 357:398-399. DOI
- Padula PJ, et al. Genetic diversity and distribution of hantaviruses in Argentina. J Virol 2000.